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KI scheitert nicht an den Leuten. Sondern an starren Regeln.

Autorenbild: Dirk Kedrowitsch
Dirk Kedrowitsch
1. Aug.
2 Min. Lesezeit

Monopoly. Feste Felder, feste Reihenfolge, würfeln, ziehen, warten. Wer Pech hat, sitzt drei Runden im Gefängnis und schaut zu.


So fühlen sich KI-Initiativen in vielen Unternehmen an.


Oben die Ansage, alle mögen bitte mutiger experimentieren. Unten vier Freigabestufen, ein Jahresbudget und ein Lenkungsausschuss, der quartalsweise tagt. Und dann Verwunderung, dass keiner zieht.


Die Leute sind nicht das Problem. Das Spielbrett ist es.



Das Brett gewinnt immer

Menschen verhalten sich in Organisationen nicht so, wie die Kulturbroschüre es sich wünscht. Sie verhalten sich so, wie Regeln, Routinen und Budgetprozesse es nahelegen. Jeden Tag, ganz rational.


Wer Initiative durch Gremien schickt, bekommt Vorsicht. Wer Experimente an die Jahresplanung kettet, bekommt Piloten, die auf das nächste Budget warten. Kein Motivationsworkshop ändert daran etwas.


Die gute Nachricht steckt direkt darin. Wenn Verhalten den Regeln folgt, muss niemand Menschen umbauen. Nur das Spiel.


Wenige Regeln, viele kleine Wetten

Wie das aussieht, zeigt ein Forschungsteam um die MIT-Professorin Deborah Ancona. Für die Studie „Nimble Leadership" (Harvard Business Review, 2019) hat es zwei Unternehmen seziert, die seit Jahrzehnten verlässlich Neues hervorbringen, das Forschungszentrum PARC und W.L. Gore, die Firma hinter Gore-Tex.


Der Befund ist das Gegenteil von Monopoly.


Führung ist dort keine Position, sondern verteilt. Unten unternehmerische Köpfe, die kleine Wetten starten. In der Mitte Ermöglicher, die vernetzen und Hindernisse wegräumen. Oben Architekten, die nicht jeden Zug kontrollieren, sondern das Brett gestalten.


Statt dicker Regelwerke gibt es wenige einfache Regeln als Leitplanken. Statt eines Jahresbudgets viele kleine Wetten, mit Ressourcen genau dann, wenn eine Idee sie braucht. Und Projekte bekommen ihre Leute nicht zugewiesen. Die besten Ideen ziehen Talent an, ganz von selbst.


Initiative ist dort der normale Zug. Nicht der Regelverstoß.


Eine Regel reicht für den Anfang

KI macht diesen Unterschied gnadenlos sichtbar. Niemand kann seriös vorhersagen, wo KI im eigenen Unternehmen den größten Hebel hat. Das zeigt sich nur durch Ausprobieren, durch viele kleine Züge von Leuten, die ihre Prozesse besser kennen als jedes Strategiepapier.


Ein Monopoly-Unternehmen kann das strukturell nicht.

Dabei darf der erste Schritt klein sein. Eine geänderte Regel genügt. Kleine Experimente bis zu einem festen Betrag brauchen keine Genehmigung, nur ein Messkriterium. Wer ein Experiment beendet und ehrlich berichtet, was nicht funktioniert hat, bekommt Lob statt Ärger. Leitplanken wie Datenschutz und Freigaben werden einmal zentral definiert, innerhalb der Grenzen ist der Weg frei. Keine Revolution. Nur ein neues Feld auf dem Brett. Aber es verändert, welche Züge sich lohnen.


Ich erlebe einen Moment immer wieder gerne. Den, in dem ein Team merkt, dass es nicht mutiger werden muss, sondern nur ein besseres Spiel braucht. Die Energie war die ganze Zeit da. Sie hat nur auf ihren Zug gewartet.


PS: Einmal über Los ziehen und 4.000 Euro einsammeln ist keine Innovationsstrategie. Auch wenn manche Jahresplanung sich genau so anfühlt.

 
 
 

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