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Die Erbauer streiten, ob KI uns umbringt. Dabei entscheidet gerade jemand ganz anderes

Autorenbild: Dirk Kedrowitsch
Dirk Kedrowitsch
18. Sept.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Es war eine Woche, in der ich zweimal den Atem agehalten habe.


Erst kündigt ein Anthropic-Forscher öffentlich, weil sein Arbeitgeber und OpenAI angeblich „mit unseren Leben spielen". Dann meldet sich sein Alignment-Chef, also der Mann, der genau das verhindern soll, und schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass KI uns alle umbringt, auf über 10 Prozent. Das habe ich bei CBS gelesen und erst gedacht, das sei ein Übersetzungsfehler. War es nicht. Ein dritter Kollege kündigte kurz darauf mit dem Satz, man werde das möglicherweise nicht überleben (gefunden bei NBC).


Am Wochenende dann der Chef selbst. Dario Amodei fordert per Essay, langsamer zu bauen, mit unabhängigen Prüfern und gemeinsamen Standards. Altman, Musk, Hassabis nicken. Und am Sonntag kommt Silicon Valley aus der Deckung. David Sacks nennt das Erpressung, Jensen Huang sieht nur Angst als Verkaufsargument, Cohere-CEO Gomez ruft „Kartell". Darüber bin ich in der New York Times gestolpert, und ehrlich, es liest sich wie Familienstreit beim Weihnachtsessen. Puh.



Die falsche Diskussion


Man kann daraus ziehen, dass KI gefährlich ist. Was nicht ganz neu sei sollte. Oder dass die, die hier warnen nur ihr Geschäft schützen oder gar ankurbeln wollen. Wahrscheinlich stimmt beides. Und beides ist mir aktuell fast etwas egal.


Mich stört etwas anderes. Da streiten die Leute, die das "Ding "bauen, darüber, wer die Regeln machen darf. Die Labore wollen sie selbst schreiben. Die Kritiker sagen, genau das dürfe nicht sein. Die Politik will nicht bremsen, weil China es auch nicht tut. Und alle tun so, als sei die Frage damit vollständig besetzt.


Aber es fehlt die entscheidende Gruppe. Diejenigen, die jeden Tag mit KI arbeiten.


Der CEO, der eine KI-Strategie unterschreibt. Die Ministerin, die ein Beschaffungsgesetz freigibt. Der Amtsleiter, der ein System in die Sachbearbeitung holt. Die Klinikdirektorin, die KI in die Diagnostik lässt. Der Abteilungsleiter, der seinem Team ein Tool freischaltet, weil es der Wettbewerber auch hat.


Diese Menschen warten nicht, bis San Francisco, Washington, Tel Aviv oder Peking sich geeinigt haben. Sie entscheiden jetzt. Über Reichweite, Grenzen und Verantwortung einer Technologie, von der ihre Erbauer öffentlich sagen, sie verstünden sie nicht ganz.


Und genau das macht sie zur wichtigsten Gruppe in dieser Debatte. Nicht, weil sie die Antworten hätten. Sondern weil sie die sind, die es lernen müssen.


Lernen, nicht warten


KI hat keine Moral, keine Emotion, keinen Menschenverstand. Sie kann Haltung abbilden. Haben kann sie keine. Die Verantwortung liegt also zu 100 Prozent bei dem Menschen, der den Knopf drückt.


Die Aufgabe heißt nicht „warten, bis Silicon Valley fertig gestritten hat". ' Sie heißt lernen, mit KI zu leben. Lernen, mit ihr zu arbeiten, sie zu nutzen, sich von ihr überraschen zu lassen. Und gleichzeitig lernen, ihr Grenzen zu setzen. Welche Entscheidungen im eigenen Umfeld niemals eine Maschine trifft, laut gesagt und aufgeschrieben.


Der Wettbewerb wartet nicht


Ob die 10 Prozent stimmen, weiß niemand. Auch der Mann nicht, der sie ausgesprochen hat. Was ich aber sehe, jede Woche, ist die Lücke. Die Modelle lernen in Monaten. Führungskräfte lernen in Jahren. Und der Wettbewerb lässt sich nicht aufhalten. Weder von einem Essay noch von einem Kartellvorwurf.


Man kann das als Bedrohung sehen. Ich sehe es als Aufbruch. Wer heute nicht bereit ist, hat heute die Chance, es zu werden. Nicht mit noch einem Whitepaper. Mit Bewegung. Ausprobieren, Grenzen ziehen, nachjustieren. Und dann wieder von vorn.


Als jemand, der Führungskräfte durch genau diese Fragen begleitet, sehe ich den Unterschied immer an derselben Stelle. Die einen haben angefangen zu lernen, mit allem, was dazugehört, auch mit den Grenzen. Die anderen warten noch, bis jemand die Regeln liefert.


Ob die Labore langsamer werden, entscheidet Silicon Valley. Ob die eigene Unternehmung bereit ist, entscheidet jeder selbst. Das ist die einzige Frage in dieser Debatte, auf die man heute schon Einfluss hat.


Also. Auf geht's.

 
 
 

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